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Familiengeschichte Brandes, Wahnschaffe, Scharschmidt u. Co.
Die Brandes
Patrizier und Niedersachsens bedeutendste Buchhändler u. -verleger des ausgeh. 16. Jh.

Mitglieder der Sippe finden sich um 1600 in Helmstedt, Vienenburg, Goslar, Göttingen, Braunschweig Rostock...
Im Falle der Helmstedter Familienmitglieder, eigentlich Patrizier und Großkaufleute, handelt es sich um Niedersachsens im ausgehenden 16. Jahrhundert bedeutendste Buchhändler und Verleger, die auf den großen Buchhandelsplätzen Deutschlands (Leipzig, Frankfurt/Main ...) agieren und die herzogliche Buchdruckerei - die Offizin des Jacob Lucius - fördern. Insofern treten sie auch als „Mäzen der Julius-Universität in Erscheinung. Sie verlegen selbst auswärtige Offizinen und sind in großem Maßstab in zahlreichen Gewerben zu Hause. Um den enormen Papierbedarf für die Druckerei zu decken, werden Papiermühlen in Räbke und Salzdahlum (bei Wolfenbüttel) gegründet. Entsprechend sind im nachstehend genannten Buch auch eine Anzahl Brandesscher Wappen als Wasserzeichen nachgewiesen und zur Darstellung gebracht.
Interessant sind ferner genealogische Verflechtungen - u.a. die Liierung mit einer illegitimen Linie der Grafen von Spiegelberg. Näheres s. in „Herausragende Standorte der Buch- u. Papiergeschichte in Niedersachsen.
Jacob Lucius
Meister des Holzschnitts und Verbesserer des Klischeewesens
Der aus Siebenbürgen stammende Jacob Lucius d.Ä. hatte bereits zu Wittenberg als Meister des Holzschnitts sächsischer Schule mit Lucas Cranach d.J. zusammen gearbeitet und war über Rostock, wo er einige Jahre als Universitäts-Buchdrucker gearbeitet hatte, nach Helmstedt gekommen.
An der dortigen Alma Mater nahm er seine Profession wieder auf. Eine sehr große Zahl Helmstedter Drucke tragen in ihren Impressis/Expressis seinen Namen.
Bereits in die Wittenberger Zeit wird seine große Erfindung fallen, mit der er das Druckwesen revolutionierte, denn er verstand es, auf einfache Art (offenbar durch eine Abgießtechnik) Duplikate von Druckstöcken (Klischees) anzufertigen, mit welchen er seither und auch von Helmstedt aus einen immensen Handel betrieb. Und somit erklärt sich der Umstand, dass sich in jener Zeit in den Druckwerken auch oft sehr entlegener Provenienz quasi identische Holzschnitte (Schnitte zu den unterschiedlichsten Motiven, aber auch einfache Vignetten, Kapitälchen etc.) finden.
Der Helmstedter Meister wurde der Begründer einer verbreiteten Drucker- und Künstlerfamilie, die in den Offizinen zu Helmstedt, Rinteln, Lüneburg etc. wirkte, und welcher die Nachwelt manch großartiges Werk verdankt.
Die Wahnschaffes
Müller-Dynastie am Elm und Dynastie der Amtleute und Gutsbesitzer

Vielleicht können ja auch Sie sich auf die Müller-Dynastie der Wahnschaffes bzw. auf diejenige der Amtleute und Gutsbesitzer im Raum Braunschweig-Halberstadt zurückführen, die derselben Familie entsprossen?Das Buch „Herausragende Standorte der Buch- und Papiergeschichte in Niedersachsen, auf welches ich gern aufmerksam mache, ist ein eigentliches Wahnschaffe-Buch, denn ich habe lange - ca. 15 Jahre - nach meinen Vorfahren, und zwar in der vollen Breite eruiert, und den Wahnschaffes galt dabei, zumal sie sich als besonders attraktiv erwiesen, ein Löwenanteil meiner diesbezüglichen archivalischen Aktivitäten. Es handelt sich hauptsächlich um die Müllerdynastie mit ihren beherrschend um den Elm herum belegenen Wassermühlen, und daraus spezieller noch um den Zweig der Papierfabrikanten, mit welchen ein für Niedersachsen bis dahin völlig neues Kapitel der Papiergeschichte aufgeschlagen werden konnte, mit durchaus auch Wahnschaffschen Premieren! Insofern sind auch Wahnschaffes als Pioniere des Papierfachs namhaft zu machen.
Zweifellos ist darin Niedersachsens Papiergeschichte (auch Buchgeschichte) weitgehend neu geschrieben worden (die bisherige Fachliteratur kennt kein Räbke - der papiergeschichtlich tatsächlich Jahrhunderte lang wichtigste Standort dieses Gewerbezweiges, woran die Wahnschaffes wesentlich mitgewirkt haben).
Natürlich finden sich unter den Abbildungen auch die Wasserzeichen der Wahnschaffes wie auch die ihrer Papiermacher Schöner, Kanebley, Göbel, Bergmann usw.Der Drost und Oberamtmann Georg Wilhelm Wahnschaffe zählt zur engeren Verwandtschaft, der zudem auch stark in das papiergeschichtliche Thema verflochten ist, eben als Angehöriger der Sippe (als solcher hat er selbst an einem der aktionsreichen „Mühlenkriege teilgenommen), als Mühlenbesitzer und als Verbesserer der braunschweigischen Papierindustrie (quasi von Amts wegen). So wurden natürlich auch ihm mehrfach spezieller Raum und spezielle Kapitel eingeräumt; natürlich wurde er, von welchem der Preußenkönig sagte, er habe ihm „auf friedlichem Wege eine Provinz erobert, als Landesverbesserer herausgestellt sowie seine zahlreichen Domänen und Rittergüter nicht unberücksichtigt gelassen. Vorhanden u.a. auch Abb. von ihm selbst, von seinem Vater, seinem Wappen, Rittergut Üpplingen (Luftaufnahme des ges. Komplexes u. Herrenhaus) etc.pp.

Die Scharschmidts am Elm

Auch die Scha(a)rschmidts (aus Plauen im Voigtland) betrieben in Räbke am Elm (in Niedersachsen auch in Delliehausen bei Alfeld/Hildesheim usw.) über mehrere Generationen eine sehr bedeutende Papiermühle bzw. -manufaktur.
Sie erbauten die bedeutende Mittelmühle neu - aus der Abbruchmasse eines Schlosses. Unter ihnen gewann die Mittelmühle ihre höchste Bedeutung. Die Scharschmidts erwarben ferner noch die ebenfalls wichtige Obermühle hinzu. Versuche zur Verbesserung der Papierfabrikation fanden auf Scharschmidts Gewerk statt, zumal sich seine Papiere im Lande Braunschweig eines hervorragenden Rufs erfreuten.
Natürlich finden sich unter den Abbildungen auch die Papiermühle und eine sehr große Zahl der Wasserzeichen der Scharschmidts - eins der großartigen Zierrand-Wasserzeichen (Kennzeichen ganz besonderer Luxuspapiere) zeigt bereits die Titelaufmachung des Buches „Herausragende Standorte der Buch- und Papiergeschichte in Niedersachsen.

v. Langen, Joh. Georg
Berühmter Landesverbesserer - auch Pionier des Papierfachs

Es ist der auf vielen Gebieten geniale und über seine Landesgrenzen - u.a. als Gründer der Porzellanmanufaktur Fürstenberg - hinaus bekannt gewordene forstlich, gewerblich und landesplanerisch hervorragende braunschweig-wolfenbüttelsche Oberjägermeister Johann Georg v. Langen, dem ferner das Verdienst zukommt, auch auf dem Papiersektor weitschauendes geleistet zu haben: Bereits 100 Jahre vor der Erfindung des Holzschliffs und mehr als zehn Jahre vor den weltberühmten Versuchen des Regensburger Geistlichen Schäffer machte v. Langen von seiner gleich in großem Maßstab projektierten „Erfindung einer neuen Art Papier von Holtz Materie von sich reden ...

Folgende Personen und Familien spielen ferner eine stärkere Rolle in der Helmstedter und Räbker Buch- und Papiergeschichte:

a) buchgeschichtlicher Teil:
Brandes (s.o)
Büring - Helmstedter Ratsfamilie u. Mitglied der Buchhandelssozietät
Heyl - Buchhändler u. Verleger
Kirchner - Buchhändler u. Verleger aus Magdeburg
Lucius - Helmstedter Universitäts-Buchdrucker u. Meister des Holzschnitts, revolutionierte das Klischeewesen.
Zahlreiche Helmstedter Professoren und andere Niedersächsische Gelehrte werden biografisch mitbehandelt - sie ließen an der Helmstedter Offizin ihre Werke drucken u. verlegen.

b) papiergeschichtlicher Teil:
Bergmann - Papierm.
Borchers/ Borchardt - wichtige Räbker Papierfabrikantenfamilie
Brückmann - Wolfenbütteler Pionier des Papierfachs
Claproth - Göttinger Pionier des Papierfachs
Franke - Papierm.
Göbel - Papierm.
Grove - Papierm.
Heister - Helmstedter Professor und Eigentümer der Obermühle
Jerusalem - Abt u. hier Verbesserer der Papierindustrie
Kanebley wichtige Papiermacherfamilie
Köffel - Papierm.
Köhler - Amtmann zu Schöningen und Eigentümer der Obermühle
v. Langen - braunschw. Oberjägermeister und wichtiger Pionier, nicht nur des Papierfachs
Leunig - Papierm.
Schaarschmidt (s.o.)
Seidel - Papiermacher
Schöner - Papiermacherfam. aus Wernigerode
Wahnschaffe (s.o.)
Wiesener - Papierfabrikant
Wittenberg - Papiermacher in Salzdahlum bei Wolfenbüttel
Zachariae, Prof. - beauftragt zur Hebung der braunschweigischen Papierverfertigung
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